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16.04.2010 - René Tann: auch auf dem Rennrad schnell unterwegs
Eine Woche vor dem Bundesliga-Auftakt belegt der 24-jährige Mountainbiker aus Suhl den beachtenswerten 20. Platz bei der Cinturón, der "Kleinen Mallorca-Rundfahrt" (UCI Cat. 2.2) (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Vier Tage lang war der Suhler Mountainbiker René Tann auf Mallorca unterwegs - nicht im Trainingslager, sondern bei einer durchaus namhaften Straßen-Rundfahrt: der "Cinturón Ciclista Internacional a Mallorca", der sogenannten "Kleinen Mallorrca-Rundfahrt", die im europäischen Kalender des Weltradsportverbandes UCI mit der Kategorie 2.2 gelistet ist. Am Ende belegte der Thüringer, der im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gestartet war, den 20. Platz und bewies damit die nötige Ausdauer und Spritzigkeit, um am kommenden Wochenende mit dem Bundesliga-Auftakt im schwäbischen Münsingen erfolgreich starten zu können.

Fast fünf Jahre ist es nun her, seit René Tann zur Vorbereitung auf Mountainbike-Rennen eine Straßen-Rundfahrt bestritten hat: im Jahr 2005 kämpfte er als junger U23-Fahrer zuletzt bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt. Jetzt nutzte er die Chance, mit seinen Kameraden von der Mountainbike-Nationalmannschaft die "Kleine Mallorca-Rundfahrt" zu bestreiten - als Abschluss der langen Trainingswochen im Winter und den ersten herausfordernden Mountainbike-Rennen: "Ich habe mich richtig darauf gefreut", so der Thüringer nach seiner Rückkehr: "Ich wusste, dass es sehr hart werden wird, aber es hat auch richtig Spaß gemacht!" Respekt hatte der 24-jährige vor allem vor den beiden Bergetappen - doch beinahe erwartungsgemäß konnte der Sportsoldat genau dort seine Stärken ausspielen: "Aber es ist schon was anderes, ob man im Renntempo über den Puig Major fliegt oder im Trainingslager nur drüber rollt", stellte Tann nach der zweiten Etappe beeindruckt fest.

Dabei hatte die Rundfahrt für den Suhler gar nicht nach Wunsch begonnen: das Auftakt-Zeitfahren am Playa del Muro war kurzfristig von sechs auf knapp drei Kilometer verkürzt worden - und die Starter, die in der zweiten Rennhälfte starteten, mussten mit einem böigen Wind kämpfen: am Ende fehlten Tann 14 Sekunden auf den Sieger - Platz 79 zum Auftakt. Doch der Germina-Fahrer nahm sich vor, auf der zweiten Etappe das wieder auszubügeln - und das mit Erfolg: "Die Etappe über den Puig Major ist sicherlich das schwerste Profil, das man auf der Insel finden kann." Auf 14 Kilometern mussten die Fahrer 850 Höhenmeter überwinden. Bereits am relativ harmlosen Coll de Sóller (500 Meter ü.d.M.) hatte sich Tann mit der späteren Spitzengruppe absetzen können, obwohl er am Fuß des Passes noch ganz hinten im Feld unterwegs war. 25 Kilometer später fuhr Tann mit einer 20-köpfigen Verfolgergruppe über die Passhöhe des Puig Major. "Auf dem langen Weg hinter zum Ziel in Port de Pollença gab es immer wieder Ausreißversuche, an denen auch ich mich beteiligt habe", erzählte Tann später. Am Ende kam es dann aber doch zum Sprint der ganzen Gruppe: Tann wurde als 24. gewertet, mit einem Rückstand von 1:20 Minuten auf den Tagessieger. In der Gesamtwertung war er damit der beste deutsche Nationalfahrer mit Platz 27 und 1:31 Rückstand auf den Gesamtführenden.

Der dritte Tag, nun im Süden der Insel, war geprägt von einem vier Mal zu durchfahrenden Rundkurs im Westen der Inselhauptstadt Palma. Vier Mal ging es über den 400 Meter hohen Coll de Sa Creu, vier Mal wendete Tann die gleiche Taktik an: "Auch wenn es eine ernsthaft betriebene Rundfahrt war, sollte sie ja vor allem etwas für die anstehenden Mountainbike-Rennen bringen", definierte der Germina-Fahrer seine Ziele für diese Etappe. "Deswegen bin ich immer absichtlich als letzter des langgezogenen Feldes in den Anstieg gegangen - und oben immer mit der Spitzengruppe rausgekommen, auch wenn am Anfang die Beine dabei noch richtig schwer waren vom Vortag", berichtete Tann nicht ganz ohne Stolz. Als sein Teamkapitän, der Deutsche Marathon-Meister Jochen Käß, mit einer Dreiergruppe erfolgreich ausriss und am Ende den zweiten Platz in der Tageswertung belegte, hielt sich Tann zurück und versuchte beim Schlussanstieg hinauf zum Castillo Bellver zumindest den Sprint der Verfolger für sich zu entscheiden. "Ich bin wohl zu früh angetreten", meinte der Thüringer nach der Etappe selbstkritisch. Als Erster stürmte er den Anstieg zum Schloss hinauf, doch 100 Meter vor dem Ziel holten ihn seine Verfolger unter Führung des Schweizer Nationalfahrers Ralph Näf ein und überspurteten ihn. Als 19. erreichte Tann das Ziel, 44 Sekunden hinter dem Siegertrio, in der Gesamtwertung kletterte der Sportsoldat damit auf Platz 17. "Ein bisschen hat mich das schon geärgert", meinte Tann im Ziel. "Aber eigentlich bin ich froh, diese beiden so schweren Etappen doch so gut gemeistert zu haben."

Die letzte Etappe, ein größtenteils flacher Kurs östlich von s'Arenal über knapp 154 Kilometer, musste René Tann aber etwas angeschlagen antreten: Der Magen bereitete dem 24-jährige einige Probleme, doch er konnte sich erfolgreich im Hauptfeld halten. Zwar kassierte er am Ende noch 13 Sekunden, weil beim langgezogenen Zieleinlauf sich einige Fahrer vor ihm eine kleine Lücke auftat, sodass er nicht mehr mit der Siegerzeit gewertet wurde, doch das spielte letztlich keine Rolle mehr, auch wenn Tann damit auf Platz 20 im Gesamtklassement zurück fiel. "Im Mittelpunkt der Rundfahrt stand für mich der Ausbau der Spritzigkeit und der Ausdauer - und das dürfte ich erreicht haben", zeigte sich der Suhler sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

"Jetzt muss ich mich erst mal ein paar Tage erholen - denn an den kommenden drei Wochenenden steht ein wirklich hartes Programm für mich an", blickt Tann in die nahe Zukunft: schließlich beginnt am kommenden Sonntag in Münsingen auf der Schwäbischen Alb mit dem ersten Rennen zur Internationalen Mountainbike Bundesliga die erste wichtige Wettkampfphase, unmittelbar gefolgt von den beiden ersten Weltcups im englischen Dalby Forest und im belgischen Houffalize. "Das wird richtig hart, weil ich nach dem durchwachsenen Jahr 2010 weit hinten starten muss - aber ich bin zuversichtlich: die vergangenen Rennen in Montichiari, Langenlois und jetzt hier bei der Mallorca-Rundfahrt haben gezeigt, dass ich meine alte Spritzigkeit wiedergefunden habe, mit der ich mich am Start nach vorne katapultieren kann, ohne hinten raus einzubrechen. Vielleicht gelingt mir ja tatsächlich ein erfolgreicher Start in die Saison 2010." Die Vorzeichen stehen gut.

 

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