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02.07.2010 - Bei Tour de L‘Ain (Frankreich) um verdienten Podestplatz gebracht
Beim Dreitages-Etappen-Rennen für Mountainbiker im Südwesten Frankreichs wurde die zweite Etappe annulliert – ausgerechnet jene, in der der Suhler Mountainbiker den zweiten Platz belegt hätte (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Über drei Etappen sollte die Tour de L’Ain im Südwesten Frankreichs gehen.
Doch am Ende wurde das Mountainbike-Event der Kategorie S2 in den landschaftlich reizvollen Bergen auf halbem Weg zwischen Genf und Lyon zum organisatorischen Desaster: immer wieder verfuhren sich nicht nur die Sportler, sondern sogar die Führungsmotorräder, sodass die zweite Etappe letztlich von den Kommissären des Weltradsportverbandes UCI komplett annulliert wurde und auch die dritte Etappe eher unwürdig für ein internationales Rennen war.

Dabei hatte es für die deutsche Mountainbike-Nationalmannschaft durchaus sehr erfolgreich begonnen: nach dem Mannschafts-Zeitfahren in Hauteville-Lompres konnte sich der 21-jährige Andy Eyring das Gelbe Trikot des Gesamtführenden überstreifen lassen. „Die Teamarbeit hat hervorragend geklappt“, lobte der U23-Meister von 2008 denn auch die Leistung seiner Mannschaftskollegen, allen voran die seines Suhler Sportkameraden René Tann, der den „deutschen Zug“ auf den ersten Kilometern so richtig in Fahrt gebracht und damit den Grundstein für den deutschen Erfolg gelegt hatte:
„Ich habe meine bekannt starke Startphase dazu genutzt, die anderen förmlich den Berg hochzuziehen“, freute sich Tann über den Erfolg seines Freundes.
„Ich habe gekämpft bis zum Umfallen, und dann die Führung an Marcel Fleschhut übergeben.“ Doch Tann musste für seine Arbeit hart bezahlen: am Ende verlor der Germina-Fahrer fast eine Minute auf der elf Kilometer langen Runde auf die beiden führenden Deutschen Andy Eyring und Fabian Strecker.
Nach der ersten Etappe wurde Tann im Ergebnis als Zwölfter geführt. „Noch stehen ja zwei Etappen aus, in denen ich meine Stärke ausspielen konnte“, zeigte sich Tann am Freitagabend zuversichtlich.

Doch zunächst einmal galt Tanns Augenmerk dem Gelben Trikot von Andy Eyring, die beide Soldaten bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr im badischen Todtnau sind. Vom Start in dem kleinen Städtchen Oyonnaz weg hielten sich beide deutsche Fahrer in einer großen Spitzengruppe auf, bereit, jederzeit auf Konter der Konkurrenz zu reagieren. Als dann jedoch in einem langen Anstieg der englische Nationalfahrer Oliver Beckingsale das Tempo so hoch hielt, dass Eyring nicht mehr folgen konnte, gestattete er Tann, seine eigenen Ziele ohne Rücksicht auf das Gelbe Trikot zu verfolgen. Gemeinsam mit dem Franzosen Maxime Marotte und Oliver Beckingsale löste sich Tann von den Verfolgern. Als sich diese Spitzengruppe kurz verfuhr, schlossen drei weitere Fahrer zu dem Führungstrio auf und gemeinsam ging es dann in die letzte Abfahrt: „Ich habe da viel Führungsarbeit gemacht“, berichtete Tann später. „Kurz vor dem Ziel hat uns dann ein Streckenposten zugerufen, dass es nur noch ein Kilometer wäre“, erzählt Tann von den letzten Metern des Rennens, das auf 45 Kilometer angesetzt war, – und war reichlich überrascht:

„Mein Tacho zeigte erst gut 40 Kilometer an.“ Doch auf dem winkligen Kurs zurück in die Innenstadt von Oyonnaz ließ ihm der spätere Tagessieger Pierre-Geoffroy Plantet keine Chance mehr, an ihm vorbei zu ziehen: im Sprint musste sich René Tann mit dem zweiten Platz zufrieden geben, war damit aber zunächst sehr zufrieden: „Es war ein harter erkämpfter Podiumsplatz. Ich freue mich, dass die Form wieder zurückkehrt“, so Tann nach dem Rennen, ehe sich die Schreckensnachricht wie ein Lauffeuer
verbreitete: weil sich viele Fahrer in der zweiten Rennhälfte aufgrund der schlechten Streckenausschilderung verfahren hatten, entschied das Kommissärskollegium, allen Fahrern die gleiche Zeit zuzuerkennen und die Etappe somit zu neutralisieren. Für Tanns Teamkollegen Andy Eyring, der ebenfalls einige Minuten eingebüßt hatte, bedeutete dies zwar, dass er weiterhin in Gelb unterwegs sein durfte. Für Tann selbst jedoch bedeutete dies, die vielen Plätze und Sekunden, die er durch seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung gegenüber der ersten Etappe wieder gut gemacht hatte, wieder verloren zu haben, trotz all der der Anstrengung eines zweistündigen Rennens. Entsprechend niedergeschlagen zeigte er sich kurz vor der Rückfahrt ins Hotel. „Das ist natürlich sehr enttäuschend. Da gibst zu zwei Stunden lang alles, und dann wird am grünen Tisch alles zunichte gemacht, obwohl ich mich ja selbst verfahren hatte.“

Doch frischen Mutes startete in Bourg-en-Bresse Tann am Sonntag in die letzte der drei Etappen. Noch am Abend zuvor hatte er sich gemeinsam mit dem Bundestrainer den Start und vor allem die letzten Kilometer vor dem Ziel angeschaut, um nicht mehr in die gleiche Situation wie am Samstag zu kommen, als er vom Zielsprint förmlich überrascht worden war. Doch bereits nach vier Kilometern war ein erneuter Kampf um den Tagessieg Makulatur: nach einem ersten Singletrail kamen dem 80 Mann starken Feld die beiden Führungsmotorräder wieder entgegen. Sie hatten sich verfahren und hinter ihnen das gesamte Feld. René Tann und Andy Eyring, bis dato an der Spitze des bereits lang gezogenen Feldes, waren plötzlich ganz hinten – und hatten in dem Singletrail zunächst keine Chance, sich wieder nach vorne zu arbeiten. „Ich habe versucht, mit Andy wieder zur Spitzengruppe heranzukommen, aber die schmalen Wege ließen ein Überholen der Konkurrenten kaum zu“, ärgerte sich Tann später. Zwar kämpften sich die beiden Sportsoldaten gemeinsam sich Platz um Platz nach vorne, doch auch diesmal musste Eyring seinen Kameraden an einem steilen Anstieg ziehen lassen. Am Ende hatte Tann 3:46 Minuten Rückstand auf den belgischen Tagessieger Kevin van Hoovels. „Wenn wir uns nicht so verfahren hätten und ich schnell zur Spitze zurück gekommen wäre, wäre zweifellos ein Ergebnis wie am Samstag möglich gewesen“, ist sich der Suhler sicher: „Die Beine haben sich von Tag zu Tag besser angefühlt.“ Insofern sei das Etappen-Rennen zumindest trainingstechnisch ein voller Erfolg gewesen: „Mein Ziel ist die Deutsche Meisterschaft Mitte Juli. Als Vorbereitung war die Tour de L’Ain daher ideal, auch wenn ich durch die Kommissäre und Organisatoren mit der schlechten Streckenmarkierung und den schlecht vorbereiteten Führungsmotorrädern um eine verdiente gute Platzierung gebracht wurde – und damit die für mich zur Zeit so wichtigen zusätzlichen Weltranglisten-Punkte.“ Mittlerweile hat sich der Veranstalter bei allen Teilnehmern persönlich gemeldet, entschuldigt und für das nächste Jahr Besserung gelobt.

Für das kommende Hitze-Wochenende steht nun „rennfrei“ im Terminkalender von René Tann. Doch Bundestrainer Frank Brückner (Dresden) hat dem Sportler vom 1. Suhler Mountainbike-Club zwei harte Trainingseinheiten verordnet, ehe eine Woche später beim Mitteldeutschland-Cup in Haselbach in der Rhön der letzte Formtest vor der Deutschen Meisterschaft am 18. Juli in Bad Salzdetfurth (Niedersachsen) auf dem Programm. „In Haselbach ist die 3,2 Kilometer lange Cross-Country-Runde gut ausgeschildert“, schmunzelt Tann und befürchtet in der Rhön kein erneutes „Orientierungsrennen“. „Ich bin zuversichtlich: die Form stimmt und wir sind im Hinblick auf die Deutsche Meisterschaft auf dem richtigen Weg“, zeigt sich der junge Suhler Sportler selbstbewusst.

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