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19.07.2010 - René Tann (Team Germina): Fünfter bei der Deutschen Cross-Country-Meisterschaft
Der Aufwärtstrend geht weiter, die Saison 2010 könnte nach zwei schwierigen Jahren die Rückkehr des Suhler Mountainbikers an die deutsche Spitze bedeuten (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Mit viel Selbstvertrauen ging der Suhler Mountainbiker René Tann am Sonntag in die diesjährige Deutsche Meisterschaft der Mountainbiker über die olympische Distanz. „Top Fünf“ hatte der Sportsoldat vom 1. Mountainbike Club Suhl als persönliche Zielsetzung ausgegeben, obwohl er bei den bisherigen Bundesliga-Rennen davon noch deutlich entfernt war. Doch im niedersächsischen Bad Salzdetfurth sollte endlich auch auf deutschem Boden der Knoten platzen, nachdem Tann in diesem Jahr bereits in Österreich und Frankreich erfolgreich war. Und um es vorweg zu nehmen: nach einer tollen Aufholjagd und trotz heftiger Rückenschmerzen konnte 24-jährige Thüringer sein bislang bestes Ergebnis bei einer Deutschen Elite-Meisterschaft einfahren, sein Ziel erreichen und das Rennen als Fünfter beenden.

Bereits kurz nach dem Start in der malerischen Innenstadt des alten Sole-Kurorts sah es so aus, als könnte Tann sein Vorhaben tatsächlich in die Tat umsetzen: zunächst hielt er die Hinterräder des neuen Deutschen Meister Moritz Milatz (Freiburg/Breisgau) und dessen Dauerrivalen Manuel Fumic (Kircheim/Teck), mit bekannter Energie erklomm Tann den langen Anstieg: „Als ich mich oben umdrehte, sah ich, dass der Rest des Feldes schon einen ganz schönen Abstand hatte“, so Tann in seinem Bericht nach dem Rennen. Nach der ersten Runde überquerte er als Dritter die Ziellinie, gerade einmal sieben Sekunden hinter dem Führungsduo, aber schon elf Sekunden vor den Verfolgern um den späteren Bronze-Medaillen-Gewinner um Torsten Marx (Hechingen).

Doch dann kehrte ein alter Bekannter zurück, der immer wieder wie ein Damoklesschwert über dem Suhler zu hängen scheint: heftige Rückenschmerzen zwangen den Deutschen U23-Meister von 2007, das Tempo bald wieder herauszunehmen. „Das war ziemlich unerfreulich“, ärgerte sich Tann später, „schließlich fühlten sich die Beine richtig gut an“. Das Loch hinter ihm wurde von den Konkurrenten schnell aufgefressen, Fahrer um Fahrer zog in den folgenden drei Runden an dem Suhler vorbei, bis er nach der Hälfte des Rennens über acht Runden wieder die Zähne zusammenbeißen konnte und von Position Acht aus die späte Aufholjagd startete, trotz der weiter wütenden Schmerzen im Rücken: „Heute ist Deutsche Meisterschaft, heute wird gefahren“, motivierte sich der Stabsunteroffizier der Bundeswehr selbst. Tann schaltete förmlich den Turbo ein und fuhr den 4,6 Kilometer langen Kurs über neunzig Sekunden schneller als vorher, in den Runden sechs und sieben wurde sogar Rundenbestzeit für den Germina-Fahrer notiert. Doch das mittlerweile deutlich geschrumpfte Feld – von den gestarteten 41 Fahrern waren gerade noch rund 10 in der letzten Runde, die anderen waren gestürzt, hatten Defekt oder wurden wegen Überrundung aus dem Rennen genommen – war natürlich weit auseinandergezogen. Und auch die Mitstreiter vor dem Südthüringer wollten noch einen der begehrten fünf Plätze auf der Siegerehrungstribüne ergattern. Doch eingangs der letzten Runde hatte sich Tann bis auf den fünften Platz vorgearbeitet, schon in Schlagdistanz auf den vierten Platz, den bis dato Robert Mennen innehatte. „Ich war schon an ihm vorbei“, berichtete Tann im Ziel, „doch nach der harten Aufholjagd war er bergauf einfacher stärker als ich.“ Am letzten langen Anstieg zog Mennen wieder vorbei („Diese Attacke von ihm tat mir richtig weh!“) und konnte als exzellenter Abfahrer seinen Vorsprung bis ins Ziel wieder ausbauen und sich so den vierten Platz sichern. „Als ich sah, dass ich gegen Robert keine Chance haben werde, habe ich mein Tempo zurück genommen. Ich wollte nichts mehr riskieren und den fünften Platz sicher ins Ziel bringen.“ Was dem 24-jährigen sehr zur Freude seiner Betreuer, Familie und mitgereisten Fans auch gelang.

Der Erfolg in Bad Salzdetfurth, wo René Tann 2007 schon die Bundesliga-Gesamtwertung der U23 für sich entschieden hatte, hat das Selbstvertrauen des Suhlers weiter gestärkt – und auch das Punktekonto in der Weltrangliste des Weltradsportverbandes UCI weiter gefüllt: immerhin fünfzig Zähler werden Tann für seinen Erfolg in Niedersachsen gutgeschrieben werden. „Ich freue mich, auch endlich wieder gegen die nationale Konkurrenz bestehen zu können. Es zeigt, dass ich endlich wirklich auf dem richtigen Weg nach vorne bin“, so Tann: „In die kommenden Weltcups werde ich natürlich jetzt mit mehr Selbstvertrauen und wohl auch mit einem besseren Startplatz gehen können, auch wenn ich natürlich immer noch ziemlich weit hinten stehe werde. Aber allein das positive Gefühl,  wieder schnell fahren zu können, ist Gold wert!“

Bereits am nächsten Wochenende wartet in der Schweiz das nächste große Rennen auf den Suhler Germina-Fahrer, der Weltcup in Champéry, unweit des Hauptsitzes der UCI und des Genfer Sees, mitten im schweizerisch-französischen Skigebiet der „Portes du Soleil“, an den Tann äußerst gemischte Erinnerungen hat: im Sommer 2007, dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere, erreichte er dort den 33. Platz, zwei Jahre später wurde Tann bereits nach drei Runden wegen Überrundungsgefahr aus dem Rennen genommen, nachdem er im Startgedrängel gestürzt war und schließlich als letzter dem Feld hinterher gefahren war: „Wenn ich den Start überlebe, dann ist Champéry, wo im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft ausgetragen werden wird, eine schwere, aber sehr faire Strecke, wo ich die Chance habe, mich richtig weit nach vorne zu kämpfen. Vielleicht gelingt es mir ja dort, meine ersten Weltcup-Punkte 2010 zu sammeln.“ Und bereits eine Woche später findet im norditalienischen Val di Sole der letzte europäische Weltcup 2010 an, auf der Strecke der Weltmeisterschaft  von 2008. „Ob ich dann Ende August das Weltcup-Finale im US-amerikanischen Windham fahren werde, weiß ich noch nicht: die Reise dorthin ist teuer. Ich werde wohl die Ergebnisse der nächsten beiden Rennen abwarten müssen, ob es sich lohnt, die weite Reise überhaupt anzutreten.“ Jetzt aber freut sich Tann erst einmal über die hervorragende Platzierung bei der Deutschen Meisterschaft 2010.

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