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03.08.2010 - Weltcup-Punkte in Italien
Beim letzten europäischen Mountainbike-Weltcup der Saison 2010 im Val di Sole konnte der 24-jährige Suhler Sportsoldat erstmals in diesem Jahr unter die besten Sechzig der Welt fahren (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad über dem norditalienischen Val di Sole: keine leichte Aufgabe für den Suhler Mountainbiker René Tann, der in der Vergangenheit schon öfters mit Hitzerennen seine liebe Not hatte. Doch auf der Weltmeisterschaftsstrecke von 2008 brillierte der Südthüringer Sportsoldat mit seinem besten Saisonergebnis bei einem Weltcup: nach einem harten und konditionell äußerst fordernden Rennen über knapp zwei Stunden belegte der Germina-Fahrer auf seinem nagelneuen Sportgerät den 56. Platz, 11:26 Minuten hinter dem Sieger, dem amtierenden Weltmeister Nino Schurter aus der Schweiz. „Seit dem heißen Sommer und auch der Tour de L’Ain in Südfrankreich komme ich mit schwülwarmen Bedingungen deutlich besser zurecht als in den Vorjahren“, freut sich René Tann über die gelungene Anpassung an die Hitze südlich des Alpenhauptkammes. „Zwar war es auf dem Kurs ziemlich schwer, ausreichend zu trinken. Denn durch das ständige Auf und Ab gab es kaum Erholungsphasen, wo man auch mal zur Trinkflasche greifen konnte. Aber irgendwie hat das doch ganz gut geklappt. Schlimmer waren die kurzen, aber heftigen Anstiege“, so Tann nach dem Rennen. „Das hat immer viel Kraft gekostet – und trotzdem musste man sauber durch die tückischen Abfahrten kommen, und das, obwohl einem aufgrund der Anstrengung fast schwarz vor Augen wurde.“ Deswegen habe er versucht, einen guten Kompromiss zu finden und „lieber sauber, aber sicher“ durch die technischen Sektionen zu kommen, ohne dabei „einhundert Prozent Anschlag zu fahren.“ Ein Sturz hätte deutlich mehr Zeit gekostet, vom Verletzungsrisiko ganz abgesehen.

Bereits in der flachen Startrunde hatte der 24-jährige René Tann fast zwanzig Plätze gut gemacht und war als 73. in die erste von insgesamt sechs Runden im Val di Sole nordwestlich von Trient gegangen. „Danach konnte ich auf der Strecke mit den vielen kurzen Anstiegen und steilen Abfahrten aber zunächst keinen Rhythmus finden.“ Nur mühsam konnte der Sportler des 1. Suhler MTB-Clubs in den ersten beiden Runden einige wenige Plätze gewinnen.

Erst in der dritten Runde platzte der Knoten: mit einem Kraftakt überholte Tann mit einer hervorragenden Rundenzeit fast zwanzig Fahrer binnen 18:10 Minuten, sodass er nach der dritten Runde als Fünfzigster die Ziellinie überqueren konnte. Doch lange konnte der Sportsoldat das hohe Tempo nicht halten – und auch nicht alle gewonnen Plätze: „Mit der Zeit und auch wegen der hohen Anstrengung hat natürlich die Konzentration nachgelassen“, musste Tann nach dem Rennen resümieren. „In der vierten und fünften Runde war dann einfach auch der Rhythmus wieder weg.“ Erst im letzten Umlauf konnte Tann seine Form stabilisieren: „Ich wollte unbedingt in den Top60 bleiben, um Weltcup-Punkte zu sammeln.“ Das gelang dann auch, Tann den Rückwärtstrend stoppen und sogar nochmal zwei Plätze zurückerobern. Am Ende konnte er nicht nur zwölf Punkte seinem Konto in der Weltrangliste gutschreiben lassen, wo er nun auf Platz 133 rangiert, sondern auch die gleiche Anzahl in seiner bislang jungfräulichen Weltcup-Gesamtwertung 2010, wo er nun auf dem 98. Platz geführt wird.

Doch trotz des guten Ergebnisses und der sichtlich ansteigenden Form wird René Tann schweren Herzens auf einen Start beim Weltcup-Finale im US-amerikanischen Windham (Bundesstaat New York) Ende August verzichten:

„Durch die schwere Erkältung nach der Mallorca-Rundfahrt habe ich im Frühjahr viel Substanz verloren und konnte mich so nicht für die Weltmeisterschaft in Kanada qualifizieren, die eine Woche nach dem letzten Weltcup in Windham stattfinden wird. Da lohnt sich der Aufwand nicht, für lediglich ein Rennen über den Atlantik zu fliegen.“ Stattdessen will Tann die Zeit nach der Marathon-Weltmeisterschaft am kommenden Wochenende nutzen, um Kräfte für einen „heißen Herbst“ zu sammeln. „Für viele Spitzenfahrer ist mit der Weltmeisterschaft die Luft raus, aber es gibt noch einige hochklassige Rennen. Die Chance will ich nutzen“, so der Germina zuversichtlich.

Am kommenden Wochenende steht aber zunächst einmal eine andere große Aufgabe auf der Langdistanz bevor: als einer von rund fünfzig deutschen Fahrern und Fahrerinnen wird der Sportsoldat die deutschen Farben bei der Marathon-Weltmeisterschaft in der Radsport-Hochburg St. Wendel im Saarland vertreten: 107 Kilometer und satte 2.556 Höhenmeter werden den 127 gemeldeten Sportlern abverlangt werden, die Siegerzeit wird etwa vier Stunden betragen. „Natürlich bin ich stolz darauf, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land teilnehmen zu dürfen“, so Tann, „auch wenn es für die ganz vorderen Plätze nicht reichen wird. Mit einem Platz unter den besten 25 wäre ich schon sehr zufrieden“, dämpft er zu hochgeschraubte Erwartungen. „St. Wendel ist bekannt für seine gute Organisation und auch die vielen Zuschauer an der Strecke, die einen komplett anderen Charakter hat als die Gebirgsstrecke in Graz im vergangenen Jahr.“ Damals belegte Tann nach einem Reifendefekt nur den 55. Platz.

Viel Hoffnung setzt Tann dabei auf sein neues Sportgerät, das er bereits beim Weltcup im Val di Sole so erfolgreich einsetzte: von Germina, dem traditionsreichen Sportgeräte-Hersteller aus Unterschönau im Thüringerwald, wurde Tann das nagelneue 2011er-Karbon-Mountainbike zur Verfügung gestellt, lackiert in den schwarz-rot-gelb, passend zum Trikot und zum derzeit beliebten Retro-Design. „Das neue Rad ist noch leichter als mein altes und gleichzeitig stabiler“, freut sich Tann über sein neues Wettkampf-Bike.
„Zwar ist es nicht ganz so aggressiv wie das 2010er-Modell, weil es auch ein bisschen länger ist. Aber gerade bei Marathons ist das durchaus ein Vorteil, weil Länge einfach besser und ruhiger läuft.“ Angst vor dem Wetter braucht der Thüringer nicht zu haben: die Prognosen sagen kühles, aber trockenes Wetter für das Saarland am kommenden Wochenende voraus.

René's Rundenzeiten - Startnummer 98:

Runde Zeit Rundenzeit Rückstand Platzierung
Startloop 3:01 3:01 +0:26 73
Runde 1 21:34 18:33 +2:33 69
Runde 2 40:13 18:39 +4:18 68
Runde 3 58:23 18:10 +5:20 50
Runde 4 1:17:06 18:43 +6:51 52
Runde 5 1:36:27 19:21 +9:13 58 
Ziel
1:55:35
19:08 +11:26  56 

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