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12.08.2010 - Marathon-WM in St. Wendel: Topp-Ergebnis
Zwischenzeitlich hatte der Suhler Cross-Country-Spezialist vom Team Germina bei der Marathon-WM in St. Wendel schon unter den besten Zwanzig gelegen, doch plötzlich spielten die Muskeln nicht mehr mit (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Mountainbike-Marathon: das ist eine komplett andere Disziplin als ein Rennen über die olympische Distanz von knapp zwei Stunden auf einem Rundkurs. Die Zielvorgabe bei einer Marathon-Weltmeisterschaft beträgt rund das Doppelte:

vier Stunden gibt der Weltradsportverband UCI vor, im saarländischen St. Wendel erwartete die rund 120 Fahrer aus aller Welt 107,9 Kilometer mit über 2.500 Höhenmeter auf einer extrem schnellen Strecke: der Sieger und neue österreichische Weltmeister Alban Lakata benötigte dafür 3:49:55 Stunden, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 28,2 km/h entspricht. Nur unwesentlich langsamer war der Suhler Cross-Country-Spezialist René Tann, der sich auch auf der Langdistanz wacker schlug und mit nur 10:56 Minuten Rückstand auf Lakata als fünftbester Deutscher auf dem 28. Platz landete und so seine Nominierung durch das Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer deutlich rechtfertigte.

Dabei hatte der in Todtnau im Schwarzwald stationierte Sportsoldat an seinem 25. Geburtstag sogar schon unter den besten Zwanzig gelegen, mit einem deutlichen Drang nach vorne. Zunächst allerdings hatte es allerdings nicht danach ausgesehen, als könnte Tann in St. Wendel punkten: auf ersten Kilometern kam der sonst als Schnellstarter bekannte Thüringer nicht in Tritt und verlor schon im ersten Abschnitten den Anschluss zur großen Spitzengruppe. „Die Favoriten hatten schon vor dem Start angekündigt, dass es ein schnelles Rennen werden wird“, so Tann nach dem Rennen: „Und das haben sie von Anfang an umgesetzt. Als dann nach wenigen Kilometern vor einem großen Schlammloch ein kleiner Stau entstand, riss ein Loch zur Spitze auf, das auf dem schnellen Kurs nicht mehr zu schließen war.“ Das ohnehin schon lang gezogene Feld splittete sich immer mehr in kleinere Grüppchen auf, nur die 30-köpfige Spitzengruppe hielt fest zusammen – ein großer Vorteil auf dem schnellen Kurs, wo Windschatten-Fahren durchaus einen großen Vorteil darstellt. „Ich habe mich alleine immer wieder von Grüppchen zu Grüppchen nach vorne gearbeitet“, berichtet Tann später. „Einmal bin ich aber in eine Spurrille geraten, aus der ich nicht mehr heraus kam, als die Gruppe neben mir rechts abbog – da hab ich wieder Zeit und Plätze verloren“, ärgerte sich Tann: „Die ersten zwanzig Kilometer verliefen einfach katastrophal, dazu kamen auch noch leichte Magenprobleme: ich habe mir fast schon überlegt, aufzugeben.“ Doch Tann biss sich durch, fand dann doch noch seinen Rhythmus auf dem Kurs dem herausfordernden Sägezahnprofil. Nach 22 Kilometern lag Tann 1:21 Minuten hinter der großen Spitzengruppe noch auf Platz 56, 33 Kilometer später hatte er zwar fast zwei weitere Minuten auf die Führenden verloren, aber schon zwanzig Plätze zurückerobert, nach 76 Kilometern lag der 25-jährige schon auf Platz 20. „Auf so einem schnellen Kurs ist es eigentlich ziemlich schwer, Plätze gut zu machen, wenn die Gruppen gut zusammen arbeiten und man sich in der Führungsarbeit abwechseln kann“, so Tann. „Aber wenn ich mal die Führung in einer Gruppe abgegeben habe, dann haben die anderen die Beine hochgenommen. Aber ich wollte ja weiter nach vorne, mich nicht mit dem erreichten zufrieden geben. Also musste ich immer wieder versuchen, alleine zur nächsten Gruppe vorzustossen.“ Bis Kilometer 95 gelang dem Suhler das auch bravourös. Doch dann war plötzlich Schluss: „Ich spürte, wie langsam Krämpfe in beide Beine krochen. Ich ging aus der Führung, musste dann sogar die Gruppe ziehen lassen.“ Binnen weniger Kilometer verlor Tann beinahe drei Minuten und fast zehn Plätze. Schlimm wurde es für den Germina-Fahrer am letzten Anstieg: „Bergab konnte ich ja meine Beine lockern, aber bergauf musste ich ja treten. Solche Krämpfe wie auf dem letzten Anstieg hatte ich noch nie. Ich musste absteigen, um die Oberschenkelmuskulatur gegen den Schmerz zu dehnen.

Irgendwie ging es dann doch weiter, unter dem aufmunternden Applaus der Zuschauer, darunter dem Veranstalter des Bundesliga-Rennens von Münsingen und den Eltern von Jochen Käß.“ Irgendwann erreichte Tann doch noch das Ziel am Sportplatz von Sankt Wendel, mit schmerzverzerrtem Gesicht wurde er mit einer Fahrzeit von 4:00:51 Stunden und einem Rückstand auf den Sieger von 10:56 Minuten auf den Sieger. „Ich hatte mir ein bisschen mehr vorgestellt – und ich habe auch gezeigt, dass durchaus mehr drin gewesen wäre“, so Tann nach dem Rennen ein wenig bedrückt. „Vor allem am Anfang hätte ich mir gewünscht, mit der Spitzengruppe mitgehen zu können. Aber ich habe dann doch noch versucht, das Beste daraus zu machen. Vielleicht wollte ich dann zu viel – aber ich musste es auf jeden Fall versuchen!“

Am kommenden Wochenende will der Sportler vom 1. Suhler MTB-Club erst einmal eine Pause einlegen: „Es liegen jetzt vier wirklich harte Wettkämpfe hinter mir, angefangen mit der Deutschen Meisterschaft, wo ich Fünfter wurde.“ Dem folgten die beiden Weltcups in der Schweiz und Italien und nun die Marathon-Weltmeisterschaft im eigenen Land: „Auch wenn ich nicht für die Cross-Country-Weltmeisterschaft in Kanada nominiert wurde, liegt noch ein heißer Herbst vor mir. Dafür muss ich jetzt ein wenig Kraft sammeln und
regenerieren: vielleicht klappt es dann, auch bei der Deutschen Meisterschaft im Marathon im September unter die besten Fünf zu fahren: in St. Wendel war ja ich immerhin auch schon fünftbester Deutscher!“ Aber auch das Bundesliga-Finale in Saalhausen und das Roc d’Azur warten noch auf den Suhler, der endlich wieder den Anschluss an die nationale Spitze gefunden zu haben scheint und sich als guter Allrounder sowohl über die olympische als auch über die Langdistanz beweist.

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