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28.09.2010 - Platz 7 bei der Deutschen Marathon-Meisterschaft
Im hessischen Biebertal konnte der Suhler Cross-Country-Spezialist nur über zwei Drittel der Renndistanz mit der Spitzengruppe mithalten: „Dann waren die Batterien leer!“ (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Eigentlich ist René Tann vom 1. Suhler Mountainbike Club ein ganz passabler Sportler auf der Langdistanz: so konnte der Germina-Fahrer schon einige Marathons in Thüringen gewinnen und auch bei der Marathon-Weltmeisterschaft in St. Wendel an seinem 25. Geburtstag im August unter die besten Dreißig fahren. Zuletzt hatte er bei der gut besetzten Trans Zollernalb, einem dreitägigen Etappenrennen südlich von Stuttgart, auf Siegkurs gelegen, sich dann aber am letzten Tag durch einen Sturz auf der letzten Abfahrt um alle Chancen gebracht und war so Siebter geworden. „Vielleicht habe ich mich davon nicht genug erholt“, vermutete der Thüringer nun eine Woche später nach der Deutschen Meisterschaft über die Marathon-Distanz im hessischen Biebertal: 108 Kilometer mit insgesamt 2.740 Höhenmetern standen am vergangenen Sonntag auf dem Programm der gut 100 deutschen Topathleten, die sich auf den langen Weg im Kampf um die Medaillen machten. Zentrum der zwei Runden à 54 Kilometer war dabei der knapp 500 Meter hohe Dünsberg, den die Sportler insgesamt vier Mal erklimmen mussten. Über eine Runde lang konnte Tann sich in der Spitzengruppe halten, war teilweise sogar gemeinsam mit zwei Konkurrenten allein in Führung. „Zur ersten Zersplitterung der bis dahin großen Spitzengruppe kam es, als es zum ersten Mal auf den Dünsberg hinauf ging“, berichtete Tann nach dem Rennen: „Zunächst hat Manuel Fumic (der später wegen eines Reifendefekts ausstieg, Anm. d. Red.) attackiert, dann hat Wolfram Kurschat verlängert: da haben alle zum ersten Mal angefangen zu schnaufen.“ Schnell bildete sich eine kleine Führungsgruppe mit dem Deutschen Cross-Country-Meister Moritz Milatz, den beiden Angreifern und René Tann. Kurzzeitig gelang es Milatz und Kurschat sogar, alleine die Führung zu übernehmen, doch in einem langen Anstieg auf einem asphaltierten Feldweg konnten die Lücken wieder geschlossen werden. Zu sechst ging es dann in die zweite Runde. „Da waren wir wohl alle schon ein bisschen angeknockt“, meinte der Suhler später: selbst der spätere Sieger und damit alter und neuer Deutscher Meister Jochen Käß absolvierte die erste der beiden Runden deutlich schneller als die zweite. „Die vielen Singletrails, die richtig Spaß gemacht haben, haben dazu geführt, dass das Durchschnittstempo deutlich unter dem der Trans Zollernalb lag, aber das ändert nichts daran, dass die erste Runde sehr, sehr sportlich gefahren wurde“, war Tann beeindruckt. Ein solch langer Singletrail durch den Wald wurde Tann dann auch zum Verhängnis:
„Ich bin als einziger hinter Wolfram Kurschat in diesen schmalen Pfad gefahren, wo es keinerlei Überholmöglichkeiten gab, die anderen vier waren vor ihm, darunter die beiden späteren Medaillenträger“, beschrieb Tann die für ihn rennentscheidende Situation. Kurschat, der nicht zu den besten Technikern zählt und seine Erfolge hauptsächlich über seine schier unbändige Kraft erzielt, konnte den Führenden nicht folgen und musste ein Loch reißen
lassen: „Und ich kam nicht vorbei“, musste Tann seinen taktischen Fehler eingestehen. Denn als der Trail sich wieder weitete und die Spitzengruppe längst entschwunden war, konnte Kurschat seinen bekannten „Diesel“ anwerfen und den anderen hinterhersetzen. „Ich konnte ihm einfach nicht mehr folgen, nicht mal im Windschatten“, musste Tann anerkennend feststellen: „Ich habe schon gespürt, wie meine Akkus langsam leer laufen.“ Als der Germina-Fahrer sah, dass er zunächst keine Chance haben würde, den anderen zu folgen, schaltete er auf seinen eigenen Rhythmus muss. „Aber der letzte Anstieg hinauf zum Dünsberg hat mir trotzdem komplett den Stecker gezogen“, berichtete er später. „Noch waren es fast dreißig Kilometer ins Ziel – und ich musste versuchen, mich irgendwie über diese Distanz zu retten.“ Doch der komfortable Vorsprung, den die Gruppe noch in der ersten Runde herausgefahren hatte, verhinderte Schlimmeres: lediglich Stefan Sahm, der nach einem Platten schon früh zurückgefallen war, konnte noch an Tann vorbei gehen. „Klar ist ein siebter Platz zunächst einmal enttäuschend, wenn man vorher insgeheim mit einem Podiumsplatz spekuliert hat“, bilanzierte René Tann am Rennabend nach einer Fahrzeit von 4:35:59 Stunden. „Aber unterm Strich muss ich nicht unglücklich sein: siebter in einem so guten Feld zu werden, ist ja nichts Schlechtes. Ich bin von Anfang an das Risiko eingegangen, aufs Podium fahren zu wollen, auch auf die Gefahr hin, dass es mich vorher konditionell zerlegt. Und der berühmte Mann mit dem Hammer kam nun mal in der zweiten Runde vorbei, vielleicht ein bisschen früher, als ich es eigentlich erwartet hatte.“

Nächstes – und letztes Ziel der Saison 2010 – ist das Roc d’Azur, eines der größten Mountainbike-Festivals in Europa an der französischen Mittelmeerküste unweit von Nizza: „Da kann ich nochmal richtig Punkte für die Weltrangliste sammeln, die wichtig für die Startaufstellung für die ersten Weltcups des nächsten Jahres in Südafrika und England sind“, nennt Tann sein Ziel: „Da werde ich noch richtig motiviert angreifen, ehe es danach in die Winterpause geht.“

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