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03.10.2008 - Deutsche Meisterschaft Marathon: "Am Schluss ging es nur noch ums Durchkommen"
Wenig zufrieden zeigte sich René Tann (Fuji Bikes Europe) mit dem 22. Platz in Singen, fast zwanzig Minuten verlor der Suhler auf den neuen Deutschen Meister Karl Platt. (von Armin M. K├╝stenbr├╝ck)

Schon im Vorfeld hatte der 23-jährige Suhler Mountainbiker kein gutes Gefühl für die Deutsche Meisterschaft über die Marathondistanz, die am vergangenen Sonntag in Singen am Bodensee ausgetragen wurde. "Einerseits habe ich mich in den vergangenen Wochen vor allem auf die etwa halb so lange olympische Distanz konzentriert", sagte Tann schon vor dem Rennen über 106 Kilometer durch den Hegau. Dieser Ausbau der Schnelligkeit gehe natürlich zu Lasten der Ausdauerfähigkeit. "Andererseits habe ich keine große Erfahrung mit langen Marathons, schon gar nicht auf so hohem Niveau."

Punkt 10:00 Uhr fiel am Sonntag der Startschuss zur fünften Deutschen Meisterschaft im Mountainbike-Marathon. Weit über 100 Fahrer aus ganz Deutschland gingen auf die 53 Kilometer lange Runde, die zweimal zu bewältigen war. Zunächst einmal fuhr das gesamte Feld allerdings falsch, weil die Fahrer lieber dem Presseshuttle als dem Führungsmotorrad folgen wollten. Nach fünf Kilometer hatte sich das Feld aber bereits wieder sortiert und es setzte sich eine gut dreißig Mann starke Spitzengruppe mit allen Favoriten ab. In dieser Phase gestalteten vor allem René Tann und der Deutsche Vizemeister über die olympische Distanz Moritz Milatz Freiburg das Tempo: "Wir haben zusammen viel Führungsarbeit geleistet – das hat uns beiden natürlich viel Kraft gekostet", berichtete Tann später. Gemeinsam hielten sie die Geschwindigkeit hoch, sodass die Gruppe immer kleiner wurde und nach 30 Kilometern auf die Hälfte geschrumpft war. Danach versuchte der spätere Deutsche Meister Karl Platt (Osthofen) erstmals, sich von seinen Verfolgern zu lösen. Das gelang im zunächst nicht, er konnte aber die verbliebene Gruppe sprengen und sich an einem steilen Anstieg mit vier Mitfavoriten vom Rest absetzen. Während bis dahin vor allem Schotterwege und viele Asphaltpassagen den Streckenverlauf durch den vulkanisch geprägte Hegau prägten, schloss sich nun ein eher technischer Abschnitt an – "der schönste des ganzen Rennens", wie Tann es nannte. Von der beeindruckenden Landschaft sahen ohnehin weder Mountainbiker noch Zuschauer etwas: Nebel und kalte Luft lag zwischen den Hügeln und verhinderte so die sonst so beeindruckende Fernsicht.

"Die Kälte hat mir ganz schön zu schaffen gemacht", berichtete Tann. Denn nach gut zwei Stunden war Schluss mit der Kraft des Deutschen U23-Meisters von 2007. "Ich habe meinen Puls nur noch bei 155 Schlägen pro Minute halten können – da ist mit schnell fahren nicht mehr viel drin." Gut zehn Minuten benötigte der Thüringer für die zweite Runde mehr. Für Freizeitsportler mögen die Zahlen dennoch beeindruckend sein: insgesamt benötigte Tann für die 106 Kilometer und 2.700 Höhenmeter durch den Hegau 4:08:29 Stunden – was einem Schnitt von 25,6 Kilometer pro Stunde entspricht. "Vielleicht habe ich ein wenig zu spät zu essen angefangen", analysierte Tann nach dem Rennen: "Denn kaum habe ich Cola getrunken und kohlehydratreiches Gel zu mir genommen, ging es wieder bergauf." Da war dann aber der Anschluss zur Verfolgergruppe schon verloren gegangen. Deswegen musste er sich die letzten Kilometer bis zum Ziel alleine durchschlagen: "Am Schluss ging es nur noch ums Durchkommen." Doch als sich die Sonne ihren Weg durch den Nebel bahnte und auch die zugeführte Energie wieder in den Muskeln ankam, konnte er zumindest die Technikpassage wieder ein wenig genießen: "Die Singletrails haben richtig Spaß gemacht", konnte Tann seinem Ausflug ins Badische dann doch noch etwas Positives abgewinnen: "Deswegen mag ich auch die Marathons des EON Thüringer Energie-Cups wie in Arnstadt: hier ist der Anteil der technisch anspruchsvollen Teile viel größer und auch typischer für Mountainbiken. In Singen hätte sicher auch ein Querfeldein-Fahrer gute Karten gehabt – und mit Dirk Müller und Björn Papstein waren auch bekannte Straßenfahrer am Start, die gar nicht so schlecht abschnitten." René Tann wurde zum Schluss 22., 20:53 Minuten hinter dem Deutschen Meister Karl Platt.

Am kommenden Wochenende will Tann dann zu der von ihm bevorzugten Olympischen Distanz zurückkehren: in Apolda steht der letzte Lauf zum Mitteldeutschland-Cup auf dem Rennprogramm des Sportsoldaten. "Natürlich habe ich auf die Gesamtwertung keine Chance mehr: schließlich bin ich ja nur zwei der bisher fünf Rennen mitgefahren", gibt sich Tann realistisch, der derzeit mit 43 Punkten auf dem neunten Platz liegt. "Aber ich will noch mal zeigen, dass ich auch 2008 zu den besten Fahrern Mitteldeutschlands zähle."

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